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Mit dem Beginn der Skitourensaison wird auch das Thema Lawinensicherheit wichtig. Welche Ausrüstung brauche ich? Wie verhalte ich mich im Fall eines Lawinenabgangs? Wie gehe ich bei der Verschüttetensuche vor?

Tiefschnee, unverspurte Hänge und traumhafte Abfahrten – kaum fällt der erste Schnee, zieht es jeden begeisterten Tourengeher, Freerider und Freetourer unaufhaltsam in die Berge. Doch wer das Vergnügen abseits der markierten Pisten und im ungesicherten Gelände genießen möchte, sollte auch genau über die möglichen Risiken und Gefahren Bescheid wissen.

Auch wenn das Wissen um Lawinen zunimmt - für Freerider und Tourengeher ist eine Schulung für den Ernstfall Pflicht. | Foto: Ortovox/Klaus Fengler
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Auch wenn das Wissen um Lawinen zunimmt – für Freerider und Tourengeher ist eine Schulung für den Ernstfall Pflicht. | Foto: Ortovox/Klaus Fengler

In den letzten Jahren hat sich im Bereich der Lawinenforschung viel getan. Die einzelnen Faktoren, die bei der Entstehung einer Lawine eine Rolle spielen werden laufend analysiert und immer besser verstanden. Unabdinglich ist es nach wie vor, sich vor der nächsten Skitour genauestens über die aktuelle Lawinenlage zu informieren und nur mit der obligaten Lawinenausrüstung loszugehen. Wer sich wirklich verantwortungsvoll im Gelände bewegen will, besucht zusätzlich einen Lawinenkurs, um theoretisches Wissen unter fachkundiger Anleitung mit der nötigen Praxis zu vertiefen.

Sicher unterwegs fern der Pisten

Die Basics für ein möglichst sicheres und unfallfreies Tiefschnee-Abenteuer erklärt im Folgenden Markus Höß, der neben seinem Job im Kundenservice-Team von Bergzeit Berg- und Skiführer ist.

Vorbereitung: Ich informiere mich vor jeder Skitour mit dem aktuellen Lawinenlagebericht (LLB) über die zu erwartende Lawinenlage. Der LLB wird jeden Morgen online veröffentlicht und gibt Auskunft über die jeweilige Lawinenwarnstufe von 1 (geringe Gefahr) bis 5 (Touren sind allgemein nicht möglich). Er informiert, bei welcher Hangneigung und in welcher Hangexposition Lawinenabgänge am wahrscheinlichsten sind und warum Lawinen genau dort leicht ausgelöst werden können. Mit einer genauen Gebietskarte (AV-Karte) versuche ich vorab für eine möglichst sichere Routenplanung so viel wie möglich über die Geländeform und -ausrichtung des Zielgebiets herauszufinden. Für die Planung und Unterwegs sind kleine Entscheidungshilfen wie die SnowCard sehr empfehlenswert.

Ausrüstung: Ein kurzer Check stellt sicher, dass meine Sicherheitsausrüstung aus LVS-Gerät, Sonde und Schaufel komplett und funktionstüchtig ist. Das LVS-Gerät trage ich in einer verschließbaren Tasche direkt am Körper. Dabei bevorzuge ich in jedem Fall ein 3-Antennen-Gerät, das die Suchzeit erheblich verkürzt und die Anwendung ist im Ernstfall deutlich erleichtert. Meine Sonde hat ein Schnellspannsystem und ist mit einem Handgriff einsatzbereit. Bei der Schaufel lege ich Wert auf ein stabiles Metallblatt und ein teleskopierbaren Stil. Im Ernstfall muss sie absolut verlässlich funktionieren. Auch das Erste-Hilfe-Set ist absoluter Standard. Ein Biwaksack schützt den Verschütteten vor Kälte und Wind, ist für die Rettungskräfte ein weithin sichtbares Signal und kann für den Abtransport sehr gute Dienste leisten. Um Rettung schnell organisieren zu können, geht kein verantwortungsvoller Wintersportler ohne Mobiltelefon aus dem Haus (Akku vorab laden und griffbereit am Körper tragen).

Geräte-Check: Beim Start wird jedes Gerät der Gruppe getestet, ob es korrekt sendet und empfängt und ob die Batterieleistung für die kommende Tour ausreicht. Jeder Tourenpartner muss auch Schaufel und Sonde bei sich haben und damit umgehen können. Die Ausrüstung und vor allem das Können meiner Begleiter sind meine Lebensversicherung!

Airbag: Für zusätzlichen Schutz kann ein Rucksack mit Airbagsystem sorgen, den ich bei einem Lawinenabgang selbst auslösen muss. Der Airbag vergrößert das Volumen von Skifahrer und Rucksack. Durch inverse Segregation (auch genannt: Paranuss Effekt) bewegen sich größere Teile in einer fließenden Lawine nach oben. Im Idealfall schwimmt der Rucksack auf der Oberfläche der Lawine, da die kleineren Schneekristalle „unter ihn hineinkriechen“. Man kann es sich vorstellen wie ein Stück Holz auf Wasser, nur ist das physikalische Prinzip dahinter ein anderes. Allerdings: Ein Airbag ist definitiv kein Ersatz für LVS-Gerät, Schaufel und Sonde oder einen ordentlichen Lawinenkurs. Er ist lediglich ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor!

Im Fall des Falles – macht Übung den Meister

Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Lawine abgeht und man erfasst wird, versucht man so schnell wie möglich aus der Lawine herauszufahren. Ist keine Flucht möglich, versucht man Skier und Stöcke loszuwerden. Dann nimmt man die Hände vor das Gesicht, um die Atemwege zu schützen. Bestenfalls bildet sich so eine Atemhöhle und man hat genug Sauerstoff, um auf seine Retter zu warten. Hier ist die Avalung (ein Schnorchelsystem, welches das ausgeatmete CO2 von der frischen Atemluft trennt) ein unschätzbarer Vorteil. Wer nicht von der Lawine erfasst wird, beobachtet alles sehr genau und merkt sich, wo eine Person erfasst wurde und wo sie verschwunden ist. So kann man relativ genau sagen, wo ein Verschütteter zu finden sein wird. Dann muss sofort ein Notruf abgesetzt werden.

Lawinen-Stillstand. Und nun?

Da hilft nur üben: Ob im LVS-Kurs oder mit Freunden - wer regelmäßig übt ist im Ernstfall besser vorbereitet. | Foto: Ortovox/Christian-Brecheis
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Da hilft nur üben: Ob im LVS-Kurs oder mit Freunden – wer regelmäßig übt ist im Ernstfall besser vorbereitet. | Foto: Ortovox/Christian-Brecheis

Wenn die Lawine still steht, beginnt das Suchen. Der Erfahrenste übernimmt das Kommando und alle verfügbaren LVS-Geräte werden in den Suchmodus geschalten. Man beginnt mit der Signalsuche: In 20 Meter breiten Suchstreifen läuft man zügig über den Lawinenkegel und hält Augen und Ohren offen. Oftmals sind Lawinenopfer nicht vollkommen verschüttet. Das erübrigt das weitere Suchen und man kann sofort mit dem Ausgraben beginnen.

Die Lawinensuche läuft

Bekommt das LVS-Gerät ein Signal, beginnt die Grobsuche. Man markiert den Punkt, an dem man ein Signal erhalten hat und folgt den Anweisungen des LVS-Geräts. Sobald das Gerät weniger als zehn Meter Abstand zum Verschütteten anzeigt, bewegt man sich immer langsamer, bis die Abstandsanzeige bei zwei Meter verschwindet. Jetzt befindet man sich in der Feinsuche. Man kreuzt ein, das heißt, man bewegt das LVS-Gerät knapp oberhalb der Schneeoberfläche langsam in eine Richtung. Dort wo das Gerät am lautesten piepst, bewegt man es auf einer Linie im rechten Winkel zur ersten. Auf dieser neuen, zweiten Linie fährt man auch mit dem Gerät bis zum lautesten Empfang. Da folgt man wieder 90 ° zu dieser Linie einer dritten Linie parallel der ersten. Wenn man hier den besten Empfang hat und alles richtig gemacht hat, befindet man sich genau über dem Verschütteten. Wichtig ist, während der gesamten Feinsuche das Gerät nicht zu drehen, sondern statisch zu halten und langsam zu bewegen.

Die Feinabstimmung bei der Verschüttetensuche

Nicht ohne mein LVS: Wer sich "ins Gelände" wagt braucht ein vollständiges, funktionierendes LVS-Equipment. | Foto: Mammut
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Nicht ohne mein LVS: Wer sich „ins Gelände“ wagt braucht ein vollständiges, funktionierendes LVS-Equipment. | Foto: Mammut

Jetzt kommt die Punktortung. Man sticht mit der Sonde beim besten Empfang ein und versucht so, den Verschütteten zu lokalisieren. Trifft man ihn beim ersten Mal nicht, sticht man in Spiralform um den ersten Einstich herum mit der Sonde ein, bis man auf den Verschütteten gestoßen ist. Jetzt lässt man die Sonde stecken und beginnt zu schaufeln. Liegt der Verschüttete beispielsweise 80 Zentimeter tief, beginnt man 80 Zentimeter von der Sonde entfernt zu schaufeln. Damit vermeidet man, auf dem Verschütteten zu stehen.

Den Ernstfall kann man trainieren

Den Fall des Falles kann man gut trainieren. Nehmt Euch zu Beginn jeden Winters einen Tag Zeit und übt! Wer noch nie einen Kurs absolviert hat oder bei wem der letzte Kurs schon länger zurückliegt, dem lege ich dringend einen Wochenend-Seminar ans Herz. Denkt daran: Ihr macht es nicht nur für Euch, sondern auch für Eure Freunde!

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Markus Höß

... kümmert sich als staatl. gepr. Berg- und Skiführer im Kundenservice-Team von Bergzeit um alle möglichen Fragen und Anliegen. Er ist zu jeder Jahreszeit am Berg zu finden. Im Sommer geht's zum (Alpin-)Klettern oder auf Hochtour, im Winter an den Wasserfall. Am liebsten steht er auf den Skiern... Pfeil Alle Artikel von Markus Höß