Ein blauer Zehennagel nach langen Wanderungen, dem Laufen oder Klettern ist keine Seltenheit. Wie entsteht er und was kann man dagegen tun? Infos und Tipps vom Gesundheitsexperten Basti Fiedler.

Viele Bergsportler und Läufer kennen das Problem „blauer Zehennagel“: Häufig nach sehr langen Touren oder mit neuem Schuhwerk färbt er sich blau und schmerzt leicht. Doch woher kommt diese Verletzung eigentlich genau? Was kann passieren? Und was sollte man tun? Der folgende Artikel verschafft einen Überblick und klärt die wichtigsten Fragen.

Blauer Zehennagel: Die Ursachen

Blauer ZehennagelIm Mediziner-Jargon spricht man bei blauen Zehennägeln vom subungualen Hämatom. Ein blauer Zehennagel ist also nichts anderes als ein Bluterguss unter dem Nagel. Dieser entsteht in der Regel durch sich wiederholende kleine Überbelastungen oder ein einzelnes, adäquates Trauma.

Im Klartext: Entweder man haut sich den Zeh einmal ordentlich an und es „platzt“ ein Blutgefäß unter dem Nagel – oder man bekommt durch viele kleine Erschütterungen bzw. Druck beim Sport kleine Einblutungen – die dann in Summe ebenfalls einen ordentlichen Bluterguss ergeben. Dies kann zum Beispiel bei engem oder drückendem Schuhwerk der Fall sein.

Ist falsches Schuhwerk schuld an blauen Fußnägeln?

Hat man die Ursache verstanden, kann man auch über die Prophylaxe nachdenken. Man sollte bei der Schuhwahl unbedingt darauf achten, dass vorne genügend Platz ist. Am häufigsten ist der große Zeh betroffen, da dieser beim Bergabgehen in der Regel als erstes vorne am Schuh anstößt. Das heißt: (zu) kleines Schuhwerk erhöht das Risiko, dass abends die Zehen blau sind. Auch auf eine passende Breite und entsprechende Wandersocken ist zu achten. Je nach Sportart und damit spezifischen Schuhen ist das Risiko unterschiedlich zu betrachten:

  • Feste Bergstiefel sind meist weniger riskant, da durch den stabilen Aufbau ein Rutschen des Fußes nach vorne verhindert werden soll. Sind die Schuhe groß genug, sollten die Fußnägel eigentlich nicht blau werden.
  • Trailrunningschuhe oder ganz leichte Wanderschuhe haben das Problem, dass auch bei entsprechender Größe durch den Aufbau ein Rutschen nach vorne nie ganz verhindert werden kann. Dies liegt daran, dass die Knöchelregion nicht ganz so fixiert wird, wie in festen Bergstiefeln. Dadurch können die Zehen vorne anstoßen. Ich hatte beispielsweise nach meinem letzten Bergmarathon trotz ausreichend großer Schuhe einen blauen Zehennagel. Durch die ungewöhnliche Belastung und das viele Bergablaufen wurde der Zehennagel doch mehr in Mitleidenschaft gezogen, als geplant.
  • Kletterschuhe haben den Nachteil, dass sie bauartbedingt immer sehr eng sind und dadurch das Risiko für eine Blauverfärbung grundsätzlich sehr groß ist. Vorteil ist jedoch, dass sie in der Regel nur für kurze Zeitspannen getragen werden und die Zehen sich zwischendurch immer wieder erholen können. Ausnahme ist sicherlich das Klettern in sehr anspruchsvollen Mehrseillängen, wo man eher die knappen Sportkletterschuhe als die etwas bequemeren Alpinkletterschuhe nimmt – und diese den ganzen Tag lang anbehält. Hier ist das Risiko entsprechend größer.
Gerade beim Bergabgehen machen sich zu kleine Schuhe bemerkbar - und blaue Zehennägel drohen. | Foto: Hansi Heckmair
Gerade beim Bergabgehen machen sich zu kleine Schuhe bemerkbar – und blaue Zehennägel drohen. | Foto: Hansi Heckmair

Wie schnell heilt ein blauer Zehennagel?

Nun können es auch eine gute Planung, passende Schuhe und gute Socken manchmal nicht verhindern, dass sich ein Bluterguss bildet. Ein Teil vom Blut wird in der Folge abgebaut, ein anderer Teil wird „fest“, verbindet sich direkt mit dem Nagel und wächst mit ihm aus. Entsprechend lange dauert es, bis der Nagel wieder normal aussieht.

Beispiel: Das durchschnittliche Nagelwachstum wird mit 2 bis 5 Millimeter pro Monat angegeben (je nach Stoffwechsel, Belastung, Veranlagung, Durchblutung und ähnlichem). Nimmt man als Beispiel den großen Zeh, wo die Nagellänge auch mal 2 Zentimeter überschreiten kann, wird einem schnell bewusst, dass es mitunter mehrere Monate bishin zu einem Jahr brauchen kann, bis der blaue Nagel herausgewachsen ist.

Blauer Zehennagel = Nagelpilz?

Ist ein blauer Zehennagel mit Nagelpilz gleichzusetzen? Nein. Ein Nagelpilz sieht anders aus und hat andere Ursachen. Aber man sollte beachten, dass die beiden Phänomene einander bedingen können.

Wer einen Nagelpilz hat, hat häufig einen vorgeschädigten Nagel und eine schlechtere Durchblutung in den Zehen – dies begünstigt einerseits das Auftreten eines Blutergusses und schwächt andererseits dessen zügigen Abbau. Andersherum stört ein Bluterguss bei gesunden Zehen die Durchblutung und kann so unter bestimmten Umständen das Risiko für Nagelpilz erhöhen. In diesem Fall also noch mehr auf entsprechende Fußpflege achten!

Auch bei passendem Schuhwerk kann es zu einem blauen Zehennagel kommen. Bis dieser sich durch einen neuen ersetzt, dauert es einige Monate. | Foto: Hansi Heckmair
Auch bei passendem Schuhwerk kann es zu einem blauen Zehennagel kommen. Bis dieser sich durch einen neuen ersetzt, dauert es einige Monate. | Foto: Hansi Heckmair

Blauer Zehennagel: Die Behandlung

Was macht man nun mit einem blauen Fußnagel? Das kommt auf die Ausprägung an. Bei leichten Blutergüssen kann lokale Kühlung und Hochlagern des Fußes helfen. Bei ausgeprägten Befunden hilft nur der Gang zum Arzt, denn die Schmerzen können mitunter massiv sein.

Unter Umständen muss der Nagel entlastet werden – dies geschieht durch eine so genannte Trepanation. Dabei wird durch eine sterile Nadel oder eine erhitzte Nadel ein Loch in den Nagel gemacht, damit der Bluterguss abfließen kann. Wichtig: Dieser Eingriff sollte nur durch einen Arzt vorgenommen werden. Gelangen durch Hantieren mit unsterilem Werkzeug Bakterien in die Wunde, kann dies gerade im Bereich der Nägel zu sehr drastischen Infektionen führen, deren Verlauf nicht absehbar ist.

Blauer Zehennagel: Die Risiken

Blauer Zehennagel
Wenn der Zehennagel abfällt, ist es im Normalfall nicht schlimm und ein neuer wächst nach.

Das Hämatom kann so stark ausgeprägt sein, dass sich der Nagel verabschiedet. Er hebt sich dann vom Nagelbett ab und fällt schlussendlich komplett ab. Was ist in diesem Fall zu tun? In aller Regel stirbt der Nagel langsam ab, wird weggeschoben und darunter wächst ein neuer Nagel nach. Dies ist nicht weiter tragisch – der neue Nagel kann in der Führung des alten Nagels wachsen und erfüllt wieder seine angedachte Funktion.

Anders sieht es aus, wenn der Nagel direkt nach dem Anstoßen bzw. der Bergtour abfällt. Dann ist das Nagelbett offen. Dies ist einerseits ein sehr hohes Risiko für Infektionen, da die natürliche Barrierefunktion fehlt. Andererseits hat der neue, nachwachsende Nagel keine Führung und wird so sehr wahrscheinlich falsch wachsen. Dies ist nicht nur ästhetisch bedenkenswert, sondern vor allem funktionell. Wächst der Nagel nicht in seiner Führung, sondern „frei“, kommt es gehäuft zu Einwachsen, Vernarbungen und rezidivierenden Entzündungen. Hier ist die einzige Hilfe der Gang zum Arzt. Unter Umständen muss ein Kunstnagel eingesetzt werden, der die Führung für den nachwachsenden Nagel bildet.

Blauer Zehennagel: Das Wichtigste auf einen Blick

Unbedingt auf passendes Schuhwerk und gute Socken achten, um das Risiko zu minimieren. Und wenn ein blauer Zehennagel vorliegt? Kleine Befunde heilen von alleine, größere Befunde benötigen unter Umständen einen Arztbesuch.

Was fällt euch zu dem Thema ein? Habt ihr Tricks, wie ihr blaue Zehennägel verhindert (zum Beispiel Schnürtechniken oder spezielle Socken)? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!

Gutes Schuhwerk ist die beste Prävention gegen blaue Nägel. Das gibt’s natürlich im Bergzeit Shop:

Mehr zum Thema Fußgesundheit im Bergzeit Magazin

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