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Drei Tipps für Wintertouren

Schneeschuhwandern in Ramsau bei Berchtesgaden

6 Minuten Lesezeit
Auch bei mäßiger Schneelage finden sich im Berchtesgadener Land Flecken zum Schneeschuhwandern - man muss nur wissen wo. Gut ist es, mit einem Kenner unterwegs zu sein. Drei Tourentipps rund um Ramsau - egal, wie der Winter ausfällt.

Das Berchtesgadener Land entdeckt man im Winter am besten zu Fuß, mit Schneeschuhen oder mit Tourenski. In diesem Beitrag stelle ich Dir drei Winter- und Schneeschuhwanderungen rund um das Bergsteigerdorf Ramsau vor.

1. Knackige Schneeschuhtour aufs Hirscheck und den Toten Mann

Starten kann man die Schneeschuhwanderung bei guter Schneelage direkt in Ramsau. Verschiedene Pfade führen hinauf aufs Hirscheck. Vom Ortszentrum gelangt man unter dem Viadukt der Alpenstraße hindurch auf den Soleleitungsweg und von dort weiter bis zum Gasthaus Schwarzeck. Hier befindet sich ein Parkplatz und eine Busstation, sodass man Höhenmeter sparen und die Tour auch hier beginnen kann. Am Ende der Rodelstrecke Hirscheckblitz zweigt der Weg links ab und es geht auf Ziehwegen nach oben. Die Skipiste querend, geht es weiter über Steilhänge durchs Gelände bis zum Gipfel. Der Abstieg kann über den mäßig steilen Fahrweg erfolgen.

Schneeschuhwanderung zum Hirscheck bei Ramsau: Guide Willi stapft voran.

Franziska von Treuberg

Schneeschuhwanderung zum Hirscheck bei Ramsau: Guide Willi stapft voran.


Tipp: Eine Abfahrt ist bei guter Schneelage auch für Schneeschuhgeher möglich: über die 2,3 Kilometer lange Rodelbahn Hirscheckblitz. Rodel können an der Talstation der Hirscheckbahn ausgeliehen werden (gegen Hinterlegung eines gültigen Personalausweises als Pfand).

Eckdaten zur Tour

  • Start: Ortszentrum Ramsau oder Parkplatz Schwarzeck, Abzw. Toter Mann, Schwarzecker Str. 58, 83486 Ramsau
  • Länge: 4 Kilometer (ab Schwarzeck 1,9 Kilometer)
  • Höhenunterschied: 710 Meter (ab Schwarzeck 380 Meter)
  • Gehzeit: 2,5 bis 3 Stunden (ab Schwarzeck ca. 1,5 Stunden)
  • Schwierigkeit: mittel
  • Einkehr: Berggasthof Hirschkaser

Tourenbericht: Wanderung mit Schneeschuhen aufs Hirscheck

„Wenn es sonst nirgendwo Schnee gibt – hier findet man immer welchen!“, eröffnet Bergführer Willi unsere Schneeschuhtour. Wir stehen am Fuß des Hirschecks, die Schneeschuhe an den Füßen, und sind freudig gespannt. Immerhin hat Willi die Runde als ausgesprochenen Geheimtipp angekündigt. Unser Ziel ist der Hirscheckgipfel (1.385 Meter), einer der Hausberge des Bergsteigerdorfes Ramsau bei Berchtesgaden.

Der Berg selbst ist eigentlich alles andere als ein Geheimtipp – das Hochschwarzeck ist ein beliebtes Familienskigebiet, und wenn die Hirscheck-Sesselbahn in Betrieb ist, füllt sich an schönen Winterwochenenden die Terrasse vor dem Berggasthof Hirschkaser mit sonnenhungrigen Wintersportlern und Wintersportentsagern in Liegestühlen.

In einem schneearmen Winter gibt die Piste am Hirscheck nicht viel her. Der Blick von der Hirschkaser-Terrasse lohnt sich dennoch!

Franziska von Treuberg

In einem schneearmen Winter gibt die Piste am Hirscheck nicht viel her. Der Blick von der Hirschkaser-Terrasse lohnt sich dennoch!


Heute schaut es jedoch trist aus, was nicht unbedingt am wolkigen Himmel liegt. Der ursprünglich angekündigte Jahrhundertwinter tendiert ins falsche Extrem, die „Pisten“ ins Bräunliche, und der geplante Start der Tour im Ortsgebiet von Ramsau musste um 300 Höhenmeter nach oben verlegt werden.

Fürs Schneeschuhgehen braucht ma koan prächtigen Schnee.

Bergführer Willi

Wir hatten trotzdem welchen. Denn Willi sei Dank führt unser Pfad direkt in eine weiße Winterlandschaft – wer hätte das von der Straße aus geahnt! Schon nach wenigen Schritten verraten rund 30 Zentimeter tiefe Fußspuren, dass die Schneeschuhe heute durchaus ihre Berechtigung haben. Wir steigen durch eine Rinne im Wald bergauf, ab und an gibt es Wurzeln und querliegende Baumstämme zu überwinden.

Auf der Nordseite des Hirschecks sind die Schneeschuhe beim Aufstieg durchaus angebracht.

Franziska von Treuberg

Auf der Nordseite des Hirschecks sind die Schneeschuhe beim Aufstieg durchaus angebracht.


Im weglosen Gelände sind immer wieder Hindernisse zu überwinden.

Franziska von Treuberg

Im weglosen Gelände sind immer wieder Hindernisse zu überwinden.


Nach einer knappen dreiviertel Stunde machen wir eine kurze Rast an der Villa Lenz, einer kleinen Diensthütte auf einer verschneiten Lichtung. Hier lichtet sich wortwörtlich auch der Blick und man kann erstmals ins Voralpenland schauen – markant wacht die „Schlafende Hexe“ über das Einfahrtstor nach Berchtesgaden zwischen Lattengebirge und Untersberg.

Schneeschuhwandern mit Höhenmetern

Danach wird es spannend. Der Hang wird steiler, ein erkennbarer Weg ist nicht mehr vorhanden, und wir stapfen zwischen locker stehenden Nadelbäumen durch den verschneiten Winterwald empor. Ich bin dankbar über jeden einzelnen Zacken an den Schneeschuhen, die sich auch bei gefühlten 40 Grad Hangneigung fest in den Untergrund bohren.

Mit einem Mal wird die Schneedecke dicker und der Weg steiler.

Franziska von Treuberg

Mit einem Mal wird die Schneedecke dicker und der Weg steiler.


Bergführer Willi hat immer einen Tipp parat.

Franziska von Treuberg

Bergführer Willi hat immer einen Tipp parat.


„Mit Tourenski? Nie im Leben!“ denkt der Skitourenanfänger in mir, als Willi erzählt, dass er auf dieser Route auch gern mit Fellen aufsteigt. „Was man mit Schneeschuhen alles gehen kann, gell?“ lacht er.

Kaum noch nachvollziehbar, dass ich mich beim Anblick der gelben Wiesen im Berchtesgadener Land heute Morgen gefragt habe, ob die Schneeschuhwanderung nicht eher aus Wandern und Schneeschuhtragen bestehen würde. Im Sommer, ohne Schneedecke, existiert dieser Aufstieg aufs Hirscheck praktisch gar nicht – zu viele Vegetationshindernisse wären zu überwinden.

Abstieg statt Rodelabfahrt

Das Lattengebirge im Rücken, geht es über einen Grat weiter – bis wir aus unserer Winterwunderwelt in die Realität des „Jahrhunderwinters“ zurückgeholt werden. Über die braune, matschige und eigentlich gesperrte Rodelabfahrt kratzen wir – der nur noch fünf Zentimeter dicken Schneedecke zum Trotz – mit unseren Schneeschuhen bis zur eingangs erwähnten Sonnenterrasse vor dem Hirschkaser-Gasthof. Heute liegt sie jedoch wie leergefegt unter der grauen Wolkendecke vor uns.

Zeit für eine Einkehr: Die Sonnenterrasse des Hirschkaser-Gasthofs mit Blick auf Watzmann und Hochkalter.

Franziska von Treuberg

Zeit für eine Einkehr: Die Sonnenterrasse des Hirschkaser-Gasthofs mit Blick auf Watzmann und Hochkalter.


Beim Abstieg in die schneelose Ramsau.

Franziska von Treuberg

Beim Abstieg in die schneelose Ramsau.


Das war’s dann für heute mit dem Schneeschuhgehen! Wir gönnen uns noch den Watzmann- und Hochkalter-Blick, eine gemütliche Einkehr und die sechs zusätzlichen Höhenmeter bis zum benachbarten Toten Mann (1.392 Meter). Dann geht’s über den Normalweg zurück ins Tal – die Schneeschuhe diesmal schneelagengerecht am Rucksack verstaut.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Tourenbericht wurde ursprünglich im Februar 2016 verfasst.

Aktuelle Anbieter für geführte Schneeschuhtouren in der Region Berchtesgaden findest Du hier.

2. Familien-Winderwanderung durch den Zauberwald zum Hintersee

Ein gewaltiger Felssturz vom Hochkalter vor mehreren tausend Jahren ist verantwortlich für die Entstehung des Hintersees und des wildromantischen Gebiets des Zauberwaldes mit seinen vielen Felsblöcken. Märchenhaft beginnt die Tour schon in Ramsau mit dem Anblick der Dorfkirche St. Sebastian und dem Gebirgszug Reiteralpe im Hintergrund.

Zu jeder Jahreszeit hübsch anzusehen: die Kirche St. Sebastian in Ramsau.

Franziska von Treuberg

Zu jeder Jahreszeit hübsch anzusehen: die Kirche St. Sebastian in Ramsau.


Wenn es der Winter hergibt, kann der Hintersee bei Ramsau schon mal zufrieren. Auf einer Winterwanderung kann man ihn gut umrunden.

Berchtesgadener Land Tourismus

Wenn es der Winter hergibt, kann der Hintersee bei Ramsau schon mal zufrieren. Auf einer Winterwanderung kann man ihn gut umrunden.


Entlang der Ramsauer Ache führt der Weg eben bis zu den Gletschermühlen und zur Marxenklamm, wo sich der Fluss tief in den Fels gegraben hat. Ein großes bemaltes Holzschild verrät, dass hier der Zauberwald beginnt. Immer weiter geht es flussaufwärts einen abwechslungsreichen Waldweg entlang bis zum Hintersee. Dieser wird umrundet – anschließend geht es wieder durch den Zauberwald auf dem gleichen Weg zurück.

Tipp: Verlängerung der Winterwanderung vom Hintersee zur Wildfütterung ins Klausbachtal oder bis zur Nationalpark-Infostelle Hintersee und von dort mit dem Pferdeschlitten zur Wildfütterung. Es werden bis Mitte März auch kostenlose, geführte Winterwanderungen mit Rangern im Nationalpark Berchtesgaden angeboten.

Eckdaten zur Tour

  • Start: Neuhausenbrücke Ramsau (Ortsmitte)
  • Länge: 9,4 Kilometer (bis zur Wildfütterung und zurück weitere rund 5,6 Kilometer)
  • Höhenunterschied: rund 155 Meter
  • Gehzeit: 2 bis 3 Stunden (Rundtour; mit Abstecher ins Klausbachtal weitere 1,5 bis 2 Stunden)
  • Schwierigkeit: leicht
  • Einkehr: Gasthof Auzinger

3. Einsame Schneeschuhwanderung ins Wimbachtal

Das Wimbachtal zwischen Watzmann- und Hochkaltermassiv beeindruckt im Sommer wie im Winter mit imposanter Kulisse. Die Tour beginnt in Ramsau an der Wimbachbrücke. Vorbei am Wimbachlehen geht es über ein kurzes Steilstück rechts oberhalb der Wimbachklamm entlang (der Weg durch die Klamm ist im Winter geschlossen!).

Tief verschneite Winterlandschaft im Wimbachtal bei Ramsau.

Nationalpark Berchtesgaden

Tief verschneite Winterlandschaft im Wimbachtal bei Ramsau.


Einst Jagdschloss der Wittelsbacher, ist das Wimbachschloss heute beliebtes Wanderziel - auch im Winter für Schneeschuhgeher.

Fritz Rasp

Einst Jagdschloss der Wittelsbacher, ist das Wimbachschloss heute beliebtes Wanderziel – auch im Winter für Schneeschuhgeher.


Der weitere Weg führt fast eben oder in sanfter Steigung (im Sommer kinderwagenfreundlich) auf der rechten Seite des Wimbachs entlang mitten hinein ins Wimbachtal. Da wir uns in der Kernzone des Nationalparks Berchtesgaden befinden, sollten Schneeschuhwanderer auf den vorgegebenen Wegen bleiben. Ziel der Winterwanderung ist das Wimbachschloss (937 Meter), ein ehemaliges Jagdschloss der Wittelsbacher, das wir nach etwa anderthalb bis zwei Stunden erreichen.

Eckdaten zur Tour

  • Start: Parkplatz Wimbachbrücke in Ramsau
  • Länge: ca. 4,3 Kilometer (Wimbachbrücke – Wimbachschloss)
  • Höhenunterschied: 361 Meter
  • Gehzeit: 1,5 bis 2 Stunden (einfache Strecke)
  • Schwierigkeit: leicht
  • Einkehr: Das Wimbachschloss ist im Winter nicht geöffnet, mit möglichen Ausnahmen. Am besten die Website checken!

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