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Gut für die Umwelt

Umweltfreundlich imprägnieren: Tipps zu Imprägniermitteln und Anwendung

5 Minuten Lesezeit
Du willst Deine Regenjacke neu imprägnieren und das möglichst umweltfreundlich? Wir haben den Überblick für Dich welche Hersteller umweltfreundliche Membrane verwenden, welche Imprägniermittel am umweltschonendsten sind und wie Du sie am besten anwendest.

Imprägnierungen sorgen dafür, dass die Oberfläche von Regenbekleidung und Funktionstextilien bis hin zu Outdoorschuhen, Zelten und Rucksäcken – ob mit oder ohne Membran – wasser- und zugleich schmutzabweisend werden. Teilweise auch abrieb-, scheuer-, verwitterungsfest sowie UV-Strahlen resistent. Dank einer Imprägnierung bleiben außerdem die atmungsaktiven Eigenschaften Deiner Produkte erhalten und Du kannst sie länger tragen und verwenden. Doch im Laufe der Zeit, ob durch die mechanische Belastung beim Tragen im Outdoor-Alltag oder durch den Abrieb bei jedem Waschgang, lässt die Wirkung der Imprägnierung nach und der Schutzfilm wird schwächer – spätestens dann wird es Zeit, Deine Ausrüstung oder Bekleidung nach zu imprägnieren. Um dabei möglichst umweltschonen vorzugehen, zeigen wir Dir hier wie die umweltfreundlich imprägnieren kannst.

Gefahren durch herkömmliche Imprägnierungen

Doch die häufigsten Inhaltsstoffe in herkömmlichen Imprägniersprays sind aliphatische Kohlenwasserstoffe, 2-Propanol, die Treibgase Propan oder Butan, per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC), Silikonöle, Paraffine beziehungsweise Wachse und Weichmacher. Und können teilweise gesundheitsschädlich sein.

Speziell im Outdoorbereich sind vor allem die gesundheits- und umweltschädlichen Fluorcarbone (PFCs) im Einsatz. PFC ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien – auch bekannt als PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) oder PFT (perfluorierte Tenside). Zwar gelten derzeit nicht alle der mehr als 3.000 verschiedenen Stoffe dieser Gruppe als gesundheitsschädlich. Doch die schädlichen unter ihnen lassen sich in den entlegensten Gebieten der Erde nachweisen.

Das Stockholmer Übereinkommen zu PFOS und PFOA

Aufgrund ihrer guten wasser-, schmutz- und ölabweisenden Eigenschaften sind für die Outdoorindustrie die beiden PFCs Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA) interessant. In den letzten Jahren erlangten sie vor allem durch die Detox-Kampagne von Greenpeace Aufmerksamkeit, da sie bei vielen Lebewesen auf Immunsystem, Hormonhaushalt oder Fortpflanzung wirken und als krebserregend gelten. Einmal freigesetzt, werden diese persistenten Verbindungen praktisch nicht abgebaut und lassen sich kaum noch aus der Umwelt entfernen. Gemäß des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe sind beide bereits verboten und dürfen weltweit seit 2020 nicht mehr eingesetzt werden.

Achte auf PFC-freie und biologisch abbaubare Membrane und Imprägniermittel.

Nikwax

Achte auf PFC-freie und biologisch abbaubare Membrane und Imprägniermittel.


Dagegen sind PFCs in Form von meist kurzkettigen Fluormolekülen (C6-Fluorchemie) heute immer noch im Einsatz bei Membranen oder Imprägniermitteln. Ihr Einsatz bleibt fragwürdig, da sich auch diese Fluorstoffe nicht über natürliche Prozesse vollständig abbauen lassen und sich ebenso im Organismus von Mensch, Tier und Pflanzen anreichern. Sie gelangen zwar hauptsächlich über Herstellungsprozesse in die Umwelt. Allerdings ebnet auch die eigene Waschmaschine den Chemikalien den Weg in die Gewässer und damit letztendlich in die Nahrungskette – mehr noch als über die bloße Abnutzung und Ausdünstung im Outdooralltag. Nicht zuletzt sind bei PFCs häufig größere Mengen notwendig, um den gleichen Imprägniereffekt zu erzielen.

  • Hinweis: Die Kennzeichnung „PFOS und PFOA-frei“ weist lediglich darauf hin, dass die bedenklichen Fluorcarbone nicht enthalten sind. Andere PFCs schließt diese Kennzeichnung jedoch nicht aus. Ebenfalls nicht deklariert ist dabei, dass sich manche dieser Stoffe nachträglich zu PFOA abbauen. Und: Laut Gesetzgeber müssen PFCs nicht einmal deklariert werden.

Dass Imprägnieren dabei auch umweltfreundlich gehen kann, zeigen die folgenden Beispiele:

Umweltfreundlich imprägnieren: mit diesen Imprägniermitteln

Immer mehr Produzenten von Imprägniermitteln schaffen es, ohne PFC, Treibgase und organische Lösemittel für eine solide Imprägnierung zu sorgen. Unter anderem mit Produkten, die teilweise auch auf der Basis von Naturtextilien funktionieren, zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind und ohne Chemie oder Kunststoffen auskommen. Dabei kommt beispielsweise das natürliche Mittel Nano-Silizium in destilliertem Wasser als Spray zum Einsatz. Empfehlenswerte Hersteller sind etwa Fibertec, Grangers, Nikwax, Hey Sport, Holmenkol, OrganoTex, Simprax, Sno-Seal, Sympatex oder Toko.

Allgemein werden für die Produktion von DWR-Imprägnierungen und in den Produkten für die Nachbehandlung derzeit besonders Inhaltsstoffe wie Silikone, Paraffine, aber auch umweltfreundlich hergestellte Polymerverbindungen aus Polyurethan (PU) oder Ethylen-Vinyl-Acetat (EVA) verwendet. Während PFC-freie Imprägnierungen in Sachen Wasser- und Schmutzabweisung problemlos mithalten können, haben in Bezug auf ölige und fettige Verunreinigungen solche mit PFC noch die Nase vorne. Allerdings spielen Öle oder Fette eher eine geringe Rolle im Outdooralltag.

Durch die gezielte Verwendung von spezifischen Imprägniermitteln kannst auch Du den Outdooralltag umweltfreundlicher gestalten.

Unsplash/Alexander Milo

Durch die gezielte Verwendung von spezifischen Imprägniermitteln kannst auch Du den Outdooralltag umweltfreundlicher gestalten.


Übrigens: Wer Herstellern ohne exakte Inhaltsangaben misstraut, kann diese jederzeit kontaktieren und nachhaken. Nachfrage steuert schließlich auch eine Art von Fortschritt – für die Zukunft sind Outdoorprodukte für den Markt denkbar, die komplett auf PFCs verzichten und weder gesundheits- noch umweltgefährdend sind. Kinderkleidung sollte ohnehin komplett PFC-frei sein – sowohl was die Membrane als auch (Nach-)Imprägnierung betrifft. Und noch ein Grund spricht für PFC-freie Alternativen: Du vermeidest, dass eigentlich PFC-freie Kleidung nachträglich damit belastet wird.

Zu den Imprägniermitteln im Bergzeit Shop

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Hersteller PFC-freier Membrane

Auch immer mehr Hersteller bieten komplett PFC-freie Membrane wie beispielsweise Sympatex an. Dazu zählen Brands wie Toray mit seiner Dermizax Membran, Pyua, Klättermusen oder auch Zulieferer W.L. Gore, der ab 2023 komplett ohne PFCs auskommen möchte. Weitere Outdoormarken verarbeiten zum Teil PFC-freie Eigenmembrane (The North Face, Vaude, Patagonia) oder kaufen gezielt Stoffe ein, die PFC-frei produziert werden.

Auch Ausrüstung wie Zelte und Rucksäcke brauchen gegebenenfalls eine Nachimprägnierung.

Unsplash/Karl Anderson

Auch Ausrüstung wie Zelte und Rucksäcke brauchen gegebenenfalls eine Nachimprägnierung.


Auch Maier Sports bietet bereits Funktionsbekleidung mit seiner zweiten, biologisch abbaubaren PFC-freien Eigenimprägnierung an. Gute Ergebnisse erzielen zudem natürliche Imprägnierungen auf Bienen-und Carnauba-Wachsbasis. Weitere PFC-freie Beschichtungen, die Wasser abhalten, sind Ceplex und TPU. Außerdem gelten bereits extrem dichtgewebte, lange Baumwollfasern, wie zum Beispiel G-1000 von Fjällräven mitsamt ihren wasserabweisenden umweltfreundlichen Imprägnierungen ebenso als wetterschutztauglich wie technische Alternativen, die auf Kapillareffekte für Wasserrückhalt setzen, wie z.B. Vapour Rise von Rab.

Produkte, die werksseitig mit einer PFC-freien Imprägnierung ausgestattet sind, sind in aller Regel als „PFC-frei“ über entsprechende Etiketten gekennzeichnet.

Warum und wann umweltfreundlich imprägnieren?

Alle Tipps wie Du Deine Kleidungsstücke am besten und effektivsten imprägnierst haben wir Dir auf folgenden Seiten zusammengefasst:

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