Das suchen mit einem LVS-Gerät und die anschliessende Bergung darf nicht zu lange dauern. Auch bei der Bergung spielt eine gute Ausrüstung eine große Rolle. Lawinenschaufel, Lawinensonde sollten leicht und robust sein. | Foto: Ortovox / Hansi Heckmair
Jeder, der im Winter im alpinen Gelände unterwegs ist, setzt sich dem Risiko einer Lawinenverschüttung aus. Um für den Ernstfall einer Lawinenverschüttung gerüstet zu sein, ist das Mitführen einer modernen praxistauglichen Notfallausrüstung mit Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Lawinensonde und Lawinenschaufel genau so unumgänglich wie ein Lawinenkurs.

Lawinenkurs: Grundwissen über LVS, Sonde, Schaufel & Co.Notfallausrüstung alleine kann zwar nicht vor Lawinen schützen –  ein intensives Befassen mit der Thematik Lawinenprävention ist allerdings ebenso unabdingbar wie das regelmäßige Üben des Ernstfalles im Lawinenkurs zur Verschütteten-Suche.

Die nachfolgend beschriebenen Verfahren und Hinweise beziehen sich lediglich auf allgemeine Standards eines Lawinenkurses in der Anwendung von Lawinenverschütteten- Suchgeräten. Intensive Lawinenkurse, optimale moderne Ausrüstung und Hintergrundwissen zum Thema „LVS-Suche“ tragen laut aktueller Studie deutlich zur Verbesserung des Sucherfolges im Ernstfall bei.

Notfallausrüstung

Stand der Technik sind LVS-Geräte mit 3 Antennen und digitaler Signalauswertung, Lawinensonde aus stabilen Rohren mit Schnellspannverschluß und Lawinenschaufel aus Aluminium.

Beginnen Sie Ihre Tour abseits der gesicherten Pisten mit einem LVS-Check. Tragen Sie Ihr LVS-Gerät mit dem entsprechenden Tragesystem mit dem Display zum Körper unter möglichst vielen Kleidungsschichten.

Alle LVS-Geräte sind von Natur aus extrem empfindlich gegen elektrische und magnetische Störquellen. Deshalb empfehlen alle Hersteller einhellig, bei Benutzung von LVS Geräten (egal ob analog und digital) Mindestabstände zu elektronischen, magnetischen sowie metallische Einflussfaktoren (Funk, Handy, MP3- Player, Pulsuhr, großer Schlüsselbund etc.) einzuhalten!

Der Ernstfall

Jede Ganzverschüttung bedeutet akute Lebensgefahr. Nach statistischen Auswertungen besteht innerhalb der ersten 15 Minuten eine 90%ige Überlebenschance von Lawinenopfern. Das einzig effektive Mittel ist hierbei die Kameradenrettung in der Tourengruppe selbst.

Falls der Ernstfall eintritt, gilt vor allem RUHE BEWAHREN, BEOBACHTEN, ALARMIEREN!

(1) Erfassungs- und Verschwindepunkt festhalten:

Wie viele Verschüttete? Mehrere einsatzbereite Kameradenretter? Der erfahrenste übernimmt dann die Einteilung und Leitung.

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Suchwege

Beobachten Sie den Verlauf der Lawinen und prägen Sie sich die Punkte genau ein, wo der Verschüttete von der Lawine erfasst wurde (Erfassungspunkt) und das letzte Mal gesehen wurde (Verschwindepunkt). Die Verlängerung dieser Punkte ergibt die Fließrichtung der Lawine! Links und rechts davon ist der primäre Suchbereich.

Bei Lawinenstillstand übernimmt der Erfahrenste der Gruppe die Leitung der Suche. Dazu weist er vom Lawinenrand aus jemanden beim Markieren der oben erwähnten Punkte (mit Stöcken o.ä.) ein.

(2) Notruf absetzen:

Wähle 140 (Österreich), 1414 (Schweiz), 118 (Italien), 19222 (Bayern) oder 112 (EU), wenn ohne Zeitverlust möglich.

(3) Suchbereiche festlegen:

Wo sind wahrscheinliche Verschüttungspunkte?

(4) Oberflächensuche:

Suche den Lawinenkegel mit Augen und Ohren ab.

(5) LVS-Gerät Suche:

Schalten Sie nichtsuchende LVS-Geräte aus. Sie beginnen nun mit der Suche nach dem Erstempfang. Das Gerät empfängt nun alle Signale der Verschütteten, die innerhalb der Gerätereichweite liegen. Suchen Sie nun den primären Suchbereich entsprechend dem rechts dargestellten Schema ab (D & E), bis Sie eine stabile Anzeige eines Signals erhalten.

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Punktortung

WICHTIG! Alle Beteiligten (auch die Beobachter) schalten ihre Geräte aus. Vermeiden Sie grundsätzlich, dass sich während der Suche in unmittelbarer Umgebung elektronische Geräte (z.B. Mobiltelefone, Funkgeräte) oder massive Metallteile befinden. Im Such-Modus der LVS-Geräte wird kein Signal gesendet!

Mittels neuer LVS-Technologie (kreisrunder Empfangsbereich – wie beim PIEPS DSP) können die Suchstreifenbreiten (siehe Grafik D, E) erhöht werden. Die größere Suchstreifenbreite bringt Sie dadurch in kürzer Zeit zum Erstempfang. Die entsprechenden Suchstreifenbreiten sind der jeweiligen Betriebsanleitung zu entnehmen.

Suche ab dem Erstempfang bis zur Punktortung: Ab deutlichem Erstempfang, Anwendung des Feldlinienverfahrens bis in einen Nahbereich von 3 bis 5 Meter. Die entsprechende Arbeitsweise ist je nach Gerätetyp unterschiedlich und soll nach Herstelleranleitung trainiert werden.

Bei modernen 3-Antennen-Systemen gibt es bei der Punktortung immer nur ein Minimum – egal, in welcher Koppellage sich der Sender befindet.

(6) Sondieren:

Überprüfen Sie das Suchergebnis der Punktortung. Lassen Sie die Lawinensonde stecken.

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Ausschaufeln

Nach erfolgreicher Punktortung gibt das Lawinenverschüttetensuchgerät die kürzeste Entfernung zum Sende-LVS an (6a) und diese Position ist immer rechtwinkelig zur Schneeoberfläche.

(6b) Rasterförmiges Sondieren mit der Sonde: In Abständen von ca. 40 bis 50 cm wird mit der Sonde rasterförmig im Schnee eingestochen.

(6c) Bei Ortung des Verschütteten lassen Sie die Sonde als Markierung im Schnee stecken. Beginnen Sie nun mit der Lawinenschaufel seitlich zum Verschütteten zu graben (A: Verschüttungstiefe = Schaufelstart).

(7) Ausschaufeln:

Beginne mit dem Schaufeln so weit von der Sonde entfernt, so tief sie die Verschüttung anzeigt. Grabe großflächig. Achte auf die eventuelle Atemhöhle des Verschütteten!

(8) Bergen und Erste Hilfe:

Legen Sie zuerst Gesicht und Atemwege frei. Sorgen Sie danach für Kälteschutz.

Quelle: Pieps

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