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18. November 2016
Foto: Tobias Krüger
Mit Karte und Kompass

Orientierung mit Karte und Kompass – eine Anleitung

Die Orientierung mit Karte und Kompass gehört zu den Grundfähigkeiten, die Naturliebhaber mibtbringen sollten. Die Wildnis-Experten Heiko und Tobias geben im folgenden Artikel zahlreiche Tipps, wie es mit der Orientierung im Gelände klappt.

Planst Du eine Wanderung durch die Naturgebiete Deutschlands oder eine Wildnisexpedition in Kanada? Egal wo Du in der Wildnis unterwegs bist – es ist stets wichtig, dass man den eigenen Standort bestimmen und das Gelände einschätzen kann. Man sollte auch ohne GPS-Gerät feststellen können, wohin man will! Für die Bestimmung des Standorts gibt es heute, im Zeitalter satellitengestützter Navigationsgeräte, viele technische Hilfsmittel. Die nach wie vor sicherste und zuverlässigste Variante ist jedoch immer noch die Orientierung mit Karte und Kompass. Damit diese leicht von der Hand geht und man sich nicht nur auf das Kartenmaterial, sondern auch auf die eigenen Fähigkeiten im Umgang damit verlassen kann, haben wir hier eine detaillierte Anleitung zusammengestellt.

Wo geht's lang? Wer mit Karte und Kompass umzugehen weiß, kann auch bei einem GPS-Stromausfall den Standort bestimmen. | Foto: Tobias Krüger
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Wo geht’s lang? Wer mit Karte und Kompass umzugehen weiß, kann auch bei einem GPS-Stromausfall den Standort bestimmen. | Foto: Tobias Krüger

Die richtigen Karten wählen

Um sich mit Hilfe von Karte und Kompass sicher orientieren zu können, muss man zunächst einmal entscheiden, welche Karten hilfreich sind und welche nicht. In einer Zeit, in der unser Planet nahezu metergenau kartiert ist, sollte man eigentlich meinen, dass es nichts Leichteres gibt, als gute Wander- oder Fahrradkarten aufzutreiben. Leider ist dies ganz und gar nicht der Fall. Wirklich gute Karten gibt es im Handel in der Regel nur für häufiger besuchte Regionen.

Deutschland ist vergleichsweise gut kartiert. Hier bekommt man für fast alle Gebiete Rad- und Wanderkarten, die ausreichend genau sind, um sich auch wirklich nach ihnen zu richten. In anderen Ländern kann dies schon ganz anders aussehen. Das beginnt nicht erst in Afrika oder Indien, sondern schon bei Spanien und Osteuropa. Im Falle von Osteuropa bekommt man beispielsweise fast nur Straßenkarten im Maßstab von 1:250.000 bis 1:1.000.000. Sie reichen also gerade noch dazu aus, um mit dem Auto auf größeren Verkehrsstraßen unterwegs zu sein, helfen einem als Wanderer oder Radfahrer aber nur sehr wenig weiter.

Maßstab und Kartentypen

Ideal ist es, wenn man eine Karte im Maßstab von 1:25.000 oder 1:50.000 auftreiben kann. Wenn es noch genauere Karten geben sollte – umso besser. Wenn man außerhalb der üblichen Wandergebiete unterwegs sein will, gibt es teilweise die Möglichkeit, passende Karten bei den zuständigen Stadtverwaltungen und/oder Forstämtern anzufordern. Dies ist jedoch meist recht komplex und zeitaufwändig. Wir selbst haben die Erfahrung gemacht, dass hier Ausdrucke einer topografischen Karte oder eines Satellitenbildes von Google Maps gute Dienste leisten, wenn man den Ausschnitt passend wählt.

Generell gibt es zwei unterschiedliche Arten von Karten. Die erste ist die sogenannte planimetrische Karte. Auf ihr wird das Gebiet als flache Oberfläche gezeigt, wobei es meist keine Informationen über die Landschaft selbst gibt. Stattdessen sind lediglich Straßen, Wege, Flüsse, Eisenbahnschienen, Dörfer, Städte und Seen eingezeichnet. In diesem Kartenstil sind die meisten Straßenkarten und Stadtpläne gehalten.

Die andere Variante ist die topographische Karte, die zusätzlich Informationen über die Beschaffenheit des Geländes wiedergibt. Hier kann man also auch Hügel, Berge, Täler, Wälder, Sümpfe und vieles mehr erkennen – eine große Unterstützung bei der Orientierung. Wenn man die Möglichkeit dazu hat, sollte man immer eine topografische Karte verwenden.

Der richtige Kompass zur Bestimmung des Standorts

Auch in Sachen Kompass gibt es große Unterschiede. Für die Orientierung mit der Karte eignen sich vor allem Lineal-Kompasse oder Marschkompasse. Der Lineal-Kompass wird hauptsächlich von Wanderern und Bergsteigern benutzt. Er ist leicht und durch eine durchsichtige, mit Lineal und Winkelangaben versehene Bodenplatte besonders gut geeignet, um Informationen von einer Karte auf die wirkliche Welt zu übertragen – oder anders herum.

Eine Übersichtskarte wie diese reicht zur groben Orientierung, nicht aber zur Navigation im Gelände. | Foto: Tobias Krüger
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Eine Übersichtskarte wie diese reicht zur groben Orientierung, nicht aber zur Navigation im Gelände. | Foto: Tobias Krüger

Der Marschkompass ist noch etwas genauer, robuster und meist aus Messing oder Bronze, was ihn natürlich auch schwerer macht. Er wird bevorzugt von Vermessern, Kartographen und Soldaten benutzt. Marschkompasse haben in der Regel zwei Haarvisiere, durch die sich Objekte in der Ferne besonders gut anpeilen lassen. Nachteil: Kompassinformationen lassen sich bei diesen Modellen schwieriger auf eine Karte übertragen. Wir selbst haben die besten Erfahrungen mit einem Lineal-Kompass gemacht.

Die Sprache der Karte verstehen

Jede Karte ist ein vereinfacht dargestelltes Abbild der Erdoberfläche aus der Vogelperspektive. Einzelne Landschaftsmerkmale werden als Symbole dargestellt. Eine Karte ist also gewissermaßen ein verschlüsseltes Bild der Wirklichkeit. Wenn man es wieder entschlüsseln will, muss man dazu die Sprache der Karte verstehen.

Mit etwas Übung funktioniert das nach einiger Zeit sehr gut – so gut, dass man nach einem flüchtigen Blick auf eine Karte bereits ein Bild der Landschaft im Kopf hat und den eigenen Standort bestimmen kann. Die einzelnen Symbole für Wälder, Sumpfgebiete, Mulden, Bergkämme usw. unterscheiden sich dabei je nach Kartentyp, kartographischem Institut und Verlag. Flüsse und Seen werden beispielsweise in der Regel als blaue Linien bzw. Flächen eingezeichnet und Straßen meist in weiß, gelb, orange oder rot. Jede Farbe verweist auf eine bestimmte Straßengröße. Eisenbahnlinien sind meist sehr dünne Linien in grau oder schwarz, die an Bahnhöfen etwas dicker werden. Dabei gibt es vor allem zwei Dinge, die beim Lesen einer Karte wichtig sind.

1. Die korrekte Umrechnung des Maßstabs

Zum einen ist das die richtige Umrechnung des Maßstabs, also die Frage, welcher Entfernung in der Realität wie viele „Kartenzentimeter“ entsprechen. Hierzu findet man auf jeder guten Karte einen sogenannten „Bruch“ – also eine kleine Umrechnungsgrafik zwischen Karte und Wirklichkeit.

Bei einer Karte mit dem Maßstab 1:50.000 entspricht ein Zentimeter auf der Karte zum Beispiel 500 Metern in der Natur. Wenn man dies weiß und verinnerlicht, kann man die Entfernungen abschätzen, die man zurücklegen muss, um von einem Punkt auf der Karte zu einem anderen zu kommen. Um die Entfernungen leichter bestimmen zu können, haben einige Karten ein Gittermuster. So muss man sich nur durch die Kästchen zählen, um grob abschätzen zu können, wie weit das Ziel entfernt liegt.

Die korrekte Ausrichtung topographischer Karten will gelernt sein. | Foto: Tobias Krüger
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Die korrekte Ausrichtung topographischer Karten will gelernt sein. | Foto: Tobias Krüger

Wenn sich keine Rasterlinien auf der Karte befinden, muss man die Entfernung mit einem Hilfsmittel abmessen. Wenn es sich bei dem geplanten Weg um eine mehr oder weniger gerade Linie handelt, kann man zu diesem Zweck einfach ein Blatt Papier oder etwas ähnliches nehmen. Will man hingegen einer kurvigen Straße oder einem gewundenen Fluss folgen und die Entfernung einigermaßen exakt ermitteln, kann man die geplante Route mit einer Schnur, einem Stück Draht oder etwas Zahnseide nachlegen. Da hier jedoch nie alle Kurven nachgelegt werden können, sollte auf das Kilometerergebnis etwa zehn Prozent addiert werden.

2. Das Lesen der Höhenlinien

Der zweite Punkt ist das korrekte Lesen der Höhenlinien. Sofern es sich bei der Karte um eine topographische Karte handelt, lassen sich auf ihr nah beieinander liegende, feine Linien erkennen. Diese schlängeln sich, bilden kleinere und größere Kreise und andere ovale oder ausgebeulte Formen. Diese Linien sind die sogenannten Höhenlinien.

Höhenlinien sind gedachte Linien, die alle Punkte miteinander verbinden, die sich auf der gleichen Höhe über dem Meeresspiegel befinden. In der Regel sind zumindest einige dieser Linien an einer Stelle unterbrochen und zeigen hier eine kleine Zahl. Diese verrät den Meterstand über dem Meeresspiegel, auf der sich die Linie befindet. Wenn man das System der Höhenlinien einmal verstanden hat, kann man an ihnen wichtige Informationen über das Gelände und über den Wegverlauf ablesen.

Wenn es auf einer Karte nahezu keine Höhenlinien gibt, zeigt sie ein flaches, ebenes Gebiet an. Je dichter die Höhenlinien beieinander liegen, desto steiler geht ein Berghang nach oben oder nach unten. Man weiß also schon auf den ersten Blick, dass sich hier ein Berg oder gar ein Gebirge befindet und kann sich anhand der Linien orientieren. Gleichzeitig erkennt man aber auch, wie anstrengend und steil der geplante Weg wird. Verläuft er einigermaßen parallel zu den Höhenlinien, hat man keine großen Auf- oder Abstiege zu befürchten. Je mehr Höhenlinien er jedoch in kurzem Abstand kreuzt, desto steiler wird er!

Die Karte richtig ausrichten

Um nun anhand der Karte orientieren zu können, ist es zunächst einmal wichtig, sie mit der Außenwelt in Einklang zu bringen. Dabei gibt es eine Grundregel: Wenn nicht anders angegeben, zeigt der obere Rand nach Norden. Wenn man die Karte also so dreht, dass sie exakt nach Nord-Süd ausgerichtet ist, entsprechen die Richtungsangaben auf der Karte genau den Richtungen, die man auch in Wirklichkeit einschlagen muss.

Dafür gibt es zwei unterschiedliche Methoden. Die erste ist das sogenannte „Einnorden“ mit dem Kompass. Hierfür eignet sich der Lineal-Kompass besonders gut. Dazu richtet man das Lineal der Bodenplatte zunächst so aus, dass es mit der Nordmarkierung auf dem Kompass übereinstimmt. Dann legt man ihn genau an die Oberkante der Karte und dreht alles solange, bis die Kompassnadel auf die Nordmarkierung zeigt.

Bei der zweiten Methode richtet man die Karte ohne Kompass nur anhand von Landmarken aus. Wenn man zum Beispiel weiß, auf welcher Straße man sich befindet, und sich zudem linkerhand ein See befindet, dann dreht man sich, bis der See auf der Karte in der gleichen Richtung liegt. Je mehr Orientierungspunkte man bei dieser Methode findet, die man miteinander in Einklang bringen kann, desto exakter wird die Ausrichtung.

Peilen und Bestimmung der Marschrichtung

Wenn man sich im offenen Gelände bewegt – also keiner Landmarke und keinem Weg folgt – kann man mit Hilfe einer Karte und eines Kompasses eine Marschrichtung festlegen. Auf diese Weise verhindert man, dass man im Kreis läuft oder das Ziel aus den Augen verliert, wenn man es einmal nicht direkt sehen kann.

Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die erste ist das sogenannte Peilen. Es ist immer dann sinnvoll, wenn es in großer Entfernung ein markantes Objekt gibt, auf das man zusteuern möchte. Wenn man einen Marschkompass sein Eigen nennt, visiert man dafür das Objekt mit den beiden Haarvisieren an und liest die Gradzahl ab, die der Kompass dabei anzeigt. Wenn man seinen Kompass nun so hält, dass die Nadel mit der Nordmarkierung übereinstimmt, zeigt die entsprechende Gradzahl immer genau die Richtung an, in die man gehen muss. Bei einem Linealkompass richtet man den Pfeil der Bodenplatte auf das entsprechende Objekt aus und dreht dann das Drehrad des Kompasses so, dass Nordmarkierung und Kompassnadel übereinstimmen. Nun zeigt der Pfeil der Bodenplatte in die Marschrichtung und man kann ihm folgen, bis man sein Ziel erreicht hat.

Das Anpeilen von Geländemarken mit den Haarvisieren gehört zu den Grundfähigkeiten im Umgang mit dem Marschkompass. | Foto: Tobias Krüger
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Das Anpeilen von Geländemarken mit den Haarvisieren gehört zu den Grundfähigkeiten im Umgang mit dem Marschkompass. | Foto: Tobias Krüger

Die zweite Variante eignet sich speziell dann, wenn man das Ziel nicht in Wirklichkeit, sondern nur auf der Karte erkennen kann. Dazu muss man wiederum die Karte exakt einnorden. Anschließend legt man den Lineal-Kompass genau so auf die Karte, dass der aktuelle Standpunkt mit dem Ziel verbunden wird und dreht das Rädchen wieder soweit, bis die Nordmarkierung mit der Kompassnadel übereinstimmt. Nun zeigt der Pfeil wiederum genau in die Marschrichtung!

Fazit: Orientierung mit Karte und Kompass

Die Orientierung mit Karte und Kompass mag im digitalen Zeitalter als anachronistisch und aufwändig erscheinen. Trotzdem sollte sie jeder beherrschen, der sich weit abseits der Zivilisation orientieren muss und will. Zwar ermöglichen GPS-Geräte eine vergleichsweise einfache und schnelle Navigation – sie haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Ist der Strom weg, ist keine Orientierung mehr möglich. Also nichts wie Kompass und Karte geschnappt und auf der nächsten Tour die „stromlose“ Orientierung geübt!

Und wenn man ohne Karte und Kompass dasteht? Dann helfen unsere „7 Tipps zur Orientierung im Gelände ohne Hilfsmittel“ weiter.

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Tobias Krüger

...ist Wildnislehrer und Mediator und arbeitet im Bereich Wildnis, Survival, Umweltbildung und Naturmedizin. Er besuchte u. a. verschiedene Mayakulturen in Guatemala und einige Aborigine-Stämme in Australien, um deren Heilwesen aufzunehmen. Tobias ist begeisterter Kletterer, Abenteurer und Forscher. Gemeinsam mit Heiko Gärtner hat er viele Expeditionen weltweit als Extremjournalist unternommen. Dabei haben sie u.a. auf Island in den Vogelfelsen gelebt, sind als Obdachlose durch Deutschland gereist und haben als erstes blind die Zugspitze bestiegen. Ab dem 01.01.2014 hängen sie ihr sesshaftes Leben endgültig an den Haken und brechen auf zu einer dreißigjährigen Weltreise, um den Geheimnissen des Lebens auf den Grund zu gehen. Pfeil Alle Artikel von Tobias Krüger