Das richtige Kletterseil – Eine Kaufberatung

Das Kletterseil gehört zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen beim Klettern. Aber welches Seil brauchst Du? Einfachseil? Neun oder zehn Millimeter? Oder doch ein Halbseil? Und was ist ein Zwillingsseil? Wir helfen Dir weiter! Weiterlesen

Kletterseil  (177 Artikel)

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Das Gewicht und der Fluss eines Zwillingsseils kombiniert mit den Vorteilen eines Doppelseils: Halbseil mit extrem niedrigem Fangstoß

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Leichtes Einfachseil für erfahrene Kletterer

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Das richtige Kletterseil – Eine Kaufberatung

Neben Gurt, Karabiner und Sicherungsgerät ist das Kletterseil elementarer Bestandteil der Sicherungskette. Diese Sicherungskette muss geschlossen sein, keines seiner Elemente darf im Falle eines Sturzes ausfallen. Glücklicherweise sind Kletterseile inzwischen Hightech-Produkte, in denen Sicherheit, Handling und Beständigkeit immer weiter optimiert werden. Aber welches Kletterseil brauchst Du? Wir helfen Dir durch den Seildschungel, damit Du das richtige Seil für Deine Ansprüche findest.

Was haben Kletterseile und Strumpfhosen gemeinsam?

Bei Kletterseilen kam es schon Anfang der 1960er Jahre zu einer Material- und Technologierevolution. Mit der Ablösung von Hanf- durch Polyamidfasern (wie sie auch in Strumpfhosen verwendet werden) und der Erfindung des Kernmantelseils erfolgte ein Riesenschritt hin zu modernen Kletterseilen. Durch diese Seile wurde Stürzen erst zu einer Option - und damit das Klettern im achten Schwierigkeitsgrad und darüber hinaus möglich.

Mantel und Kern

Kletterseile bestehen aus Kern und Mantel und haben eine geniale Arbeitsteilung: Ein geflochtener Kern aus sogenannten Litzen sorgt für die Reißfestigkeit. Um diesen herum wird zum Schutz vor Kanten und Schmutz ein Mantel gewoben, der sich maximal 20 Millimeter in der Länge verschieben darf. Der Seilhersteller Beal hat diese Rollenverteilung inzwischen verbessert und im Unicore-Verfahren Seil und Mantel miteinander verwoben - was die Mantelverschiebung so gut wie komplett verhindert.

Die Ausrüstung des Kletterseils: Beschichtungen und Imprägnierungen

Der Seilmantel ist häufig mit zusätzlichen Behandlungen versehen. Die Ausrüstung mit Teflonpartikeln etwa hat einen vor Abrieb schützenden Effekt. Ganz ähnlich wirkt die Imprägnierung. Auch sie verhindert, dass Nässe Schmutz und Staub bindet und in der Folge feinste Sandkörner in das Innere des Seiles eindringen. Die Ausrüstung macht die Seile auch langlebiger. Aber: Diese Behandlungen machen die Oberfläche sehr glatt. Deshalb ist gerade am Anfang Vorsicht geboten. Ein neues Seil rutscht leichter durch die Hände und das Sicherungsgerät.

Statische Seile

Grundsätzlich lassen sich zwei Seiltypen unterscheiden: dynamische und statische Seile. Statische Seile kommen überall dort zum Einsatz, wo möglichst wenig Seildehnung erwünscht ist, etwa bei Fix- oder Canyoning-Seilen oder in der Berg- und Höhlenrettung. Diese Seile sollten niemals beim Klettern verwendet werden, weder im Vor- noch im Nachstieg. Stattdessen werden sie als Fix- oder Materialseile benutzt.

Statikseile kommen insbesondere beim Canyoning, als Fixseile oder in der Höhlenrettung zum Einsatz. | Foto: Petzl
Statikseile kommen insbesondere beim Canyoning, als Fixseile oder in der Höhlenrettung zum Einsatz. | Foto: Petzl

Dynamische Kletterseile

Bei Kletterseilen kommen ausschließlich dynamische Seile zum Einsatz. Denn durch die Dehnung der Polyamidfasern kann das Kletterseil höhere kinetische Sturzenergien aufnehmen. Diesen Dämpfungseffekt kennt jeder, der im Nachstieg die Schlüsselstelle einer Route bewältigt hat, sich zum Rasten ins Seil setzt - und sich dann plötzlich wieder unterhalb der schon überwundenen Passage wiederfindet. Dabei handelt es sich um die sogenannte statische Dehnung, die acht bis zehn Prozent nicht überschreiten darf. Die dynamische Dehnung (auch Fangstoßdehnung) bei einem Sturz muss laut Norm unter 40 Prozent liegen.

Die Norm und der Normsturz

In Deutschland dürfen nur Kletterseile verkauft werden, die den Normen der Union Internationale des Associations d'Alpinisme (UIAA 101) und der Europäischen Union (CE EN 892) entsprechen. Auch wenn es den Normsturz beim Klettern selten gibt: in Versuchsanlagen werden die Seile in einem Worst-Case-Szenario unter Laborbedingungen getestet: Ein Seilstück muss den Sturz von 80 Kilogramm aus 4,80 Metern Höhe in ein ebenso langes Seilstück fünf Mal aushalten. Dabei muss es sich aber so weit dehnen, dass der Fangstoß, also die Kraftwirkung auf den Anseilpunkt des Kletterers, zwölf Kilonewton (kN) nicht übersteigt. Sportkletterstürze kommen in der Regel an diese Belastung bei Weitem nicht heran, da die Kräfte durch die Sicherungskette (Seillänge, Zwischensicherungen, Umlenkpunkt und dynamische Sicherung) verteilt und damit reduziert werden.

Seiltypen beim Klettern

Die Wahl des Kletterseils hängt vom Einsatzbereich ab. Einfachseile kommen heute insbesondere beim Sportklettern in der Halle oder im Klettergarten zum Einsatz, gelegentlich mit geringem Durchmesser auch beim alpinen Sportklettern in höheren Schwierigkeitsgraden (wobei dann teilweise ein zweites Seil für Material oder zum Abseilen mitgeführt wird). Halb- oder Zwillingsseile, oft summarisch als Doppelseile bezeichnet, werden vor allem beim Trad-, Alpin- oder Eisklettern verwendet.

Das Einfachseil

Das Einfachseil wird, wie der Name vermuten lässt, im Einzelstrang benutzt und ist im Handling am einfachsten. Sein Seildurchmesser hat sich zwischen 8.5 und 10.5 Millimetern eingependelt. Verantwortlich für die Reißfestigkeit ist die Beschaffenheit des Kerns. Wie robust ein Kletterseil gegen Abnutzung ist, hängt vom Mantelanteil ab, der in der Regel in Prozent angegeben wird. Als Faustregel gilt: Je höher der Mantelanteil, umso länger hält das Seil. Wer also ein Seil zum Ausbouldern sucht, greift am Besten zu einem eher dickeren Seil mit hohem Mantelanteil. Wer wilde Stürze fürchtet oder plant, sollte insbesondere auf die Anzahl der Normstürze achten. Und wer ein leicht laufendes Seil für Onsight-Versuche an seiner Grenze will, sollte zu einem leichten und dünnen Exemplar greifen. Alle Facts und Empfehlungen zu Einfachseilen findet Ihr in der Tabelle und unseren Empfehlungen unten.

Halbseiltechnik im luftigen Einsatz. | Foto: Patagonia
Halbseiltechnik im luftigen Einsatz. | Foto: Patagonia

Was ist der Unterschied zwischen Einfach- und Halbseilen?

Zwillingsseil Edelried Flycatcher (6,9 mm) und Sicherungsgerät Micro Jul. | Foto: Edelrid
Zwillingsseil Edelried Flycatcher (6,9 mm) und Sicherungsgerät Micro Jul. | Foto: Edelrid

Halbseile werden (wie auch Zwillingsseile) im Doppelstrang verwendet. Das bedeutet, dass der Vorsteiger durch zwei dünnere Kletterseile gesichert ist. Zwar sind sie im Handling etwas umständlicher und auch schwerer als Einfachseile. Aber beim Trad-Climbing, Alpinklettern mit mehreren Seillängen und beim Eisklettern haben sie deutliche Vorteile:

  • Reduzierung der Seilreibung durch Halbseiltechnik (dem abwechselnden Einhängen der Zwischensicherungen).
  • Sicherheitsreserven bei Steinschlag und scharfen Kanten.
  • Beim Abseilen steht (im Gegensatz zum Einfachseil) die volle Länge zur Verfügung, etwa für einem Rückzug.
  • Klettern als Dreierseilschaft in Mehrseillängenrouten (wie üblich steigt eine Person vor; je Halbseil versetzt ein Nachsteiger).
  • Länge der Halbseile ist üblicherweise 50 oder 60 Meter.
  • Hochtouren: Bei Gletschertouren reicht ein Strang der Halbseile als Sicherung aus.
  • Nachdem Halbseile vor allem für den alpinen Einsatz konzipiert sind, ist eine gute Imprägnierung von Vorteil, fürs Eisklettern ebenso wie für einen Regenschauer mitten in der Wand.

Was ist der Unterschied zwischen Zwillingsseil und Halbseil?

In der Praxis nutzen vor allem erfahrene Kletterer Zwillingsseile. Sie sind noch dünner und leichter als Halbseile und müssen immer zusammen in die Sicherungen eingehängt werden. Klettern in Dreierseilschaften oder die Halbseiltechnik ist mit ihnen nicht möglich. Dafür punkten Zwillingsseile gerade beim Alpin-, Mixed- und Eisklettern mit besserem Handling und geringerem Gewicht.

Dreifach zertifizierte Seile - High End pur

Mittlerweile haben die Hersteller sogenannte dreifach zertifizierte Seile entwickelt, etwa Beal Joker oder Edelrid Swift. Diese können sowohl als Einfachseil, aber auch als Halb- oder Zwillingsseil verwendet werden - und bieten damit beim Eis- oder Alpinklettern noch mehr Sicherheitsreserven. Kombiniert mit beispielsweise der Edelrid Rapline, einer hochstabilen Aramidfaser, ist damit auch alpines Sportklettern mit Sicherheitsreserve möglich.

Das richtige Sicherungsgerät

Bei allen Kletterseilen ist unerlässlich, dass man sich vor Kauf und Verwendung versichert, dass der Seildurchmesser mit dem eigenen Sicherungsgerät kompatibel ist. Das ist gerade bei Halbautomaten wichtig, da sonst möglicherweise der Blockiermechanismus nicht funktioniert. Vom inzwischen weit verbreiteten Click Up gibt es eine Version speziell für Alpinklettern (nur für Seile von 7,7 bis 9 Millimeter), das Click Up Alpine Kit. Edelrid hat für seine extra dünnen Zwillingsseile Flycatcher das Sicherungsgerät Micro Jul entwickelt (für Edelrid Kletterseile von 6,9 bis 8,5 Millimeter).

Kaufberatung Kletterseil | Foto: La Sportiva

Kaufberatung Einfachseil  - Eine Zoologie mit Empfehlung

Der Einsteiger: Ein Hallenseil für den Anfang

Der Anfang ist gemacht und Du hast inzwischen einen Toprope- oder Vorstiegsschein. Du hast Lunte gerochen und fängst an, Dich abends in staubigen Kletterhallen unter Gleichgesinnten herumzutreiben. Was Du brauchst, ist ein klassisches Einsteigerseil. Wird das Seil vor allem in der Kletterhalle benutzt, ist weder eine Imprägnierung notwendig, noch ein besonders leichtes oder dünnes Kletterseil. Stattdessen ist ein höherer Mantelanteil empfehlenswert. Nachdem die Kletterhallen immer höher werden, ist man hier mit 50 bis 60 Metern auf der sicheren Seite.
Unser Tipp für Dich: Unser Bergzeit-Seil. Edelrid hat für uns ein robustes und zugleich günstiges Seil hergestellt. Optimal für den Einstieg! Und den Aufstieg zum:

Der Freizeitkletterer: Ein Kletterseil für regelmäßiges Klettern in der Halle und am Fels

Die ersten Schritte zur Sucht sind getan. Die Finger jucken schon ziemlich regelmäßig und immer wieder zieht es Dich nach draußen an den Fels. Dann lohnt sich ein leichtes Seil mit geringerem Seildurchmesser. Bei ungünstigen Seilverläufen wird die Seilreibung nicht so hoch. Und dicker werden die Seile durch die Abnutzung sowieso. Die Längennorm hat sich inzwischen verschoben. Kam man am Fels früher mit 60 Metern gut auf den Boden zurück, haben sich in den letzten Jahren ausgehend von Südeuropa 70 Meter als neuer Standard eingebürgert.
Was Du brauchst, ist ein echter Allrounder. Unsere Tipps für Dich: Der Klassiker  Infinity von Mammut. Du brauchst ein Seil, das im Vorstieg leicht läuft und mit Euch Klettermeter spulen kann. Dass Ihr schon bald in die nächste Kategorie aufsteigt:

Der Süchtige: Häufiges Klettern in der Halle, Onsightklettern und Projektieren schwerer Routen am Fels

Willkommen im Club. Du bist voll begeistert und willst unbedingt eine bestimmte Route schaffen. Nachdem Du ja schon eine Weile kletterst, weißt Du: die Schwerkraft ist Dein Feind. Und man tut so einiges, um sie zu überlisten. Bei einem Versuch in einer schweren Route liegt der Unterschied zwischen Durchstieg und Abtropfen oft an Kleinigkeiten. Eine solche Kleinigkeit kann der Vorteil eines dünnen, leichten Seils sein: Das Seil kann schneller ausgegeben werden und läuft leichter durch die Zwischensicherungen. Wer viel klettert, klettert auch in vielen Gebieten. Deshalb sollte das Kletterseil auf jeden Fall 70 Meter haben. Und ist der nächste Urlaub nach Südfrankreich oder Spanien schon geplant, lohnen sich auch 80 Meter.

Zuhause liegen ohnehin noch die durchgeschlissenen Seile Deiner früheren Entwicklungsstufen herum. Aber was Du jetzt brauchst, sind zwei Seile. Eines für die Halle und zum Ausbouldern schwerer Routen und eines für Onsight- oder Durchstiegsversuche. Und wenn der Zustieg nicht allzu weit ist: einfach beide mitnehmen. Unser Tipp für ein Hallen- und Boulderseil: Eines der dickeren Petzl-Seile mit höherem Mantelanteil, je nach Sicherungsgerät entweder das Petzl Contact oder Mambo. Als Onsight- und Durchstiegsseil empfehlen wir das 9,2 Millimeter dünne Nano aus dem Haus Sterling oder das Petzl Volta, das auch im Bergzeit-Test eine gute Figur machte.

Einfachseil? Halbseil? Zwillingsseil? Alle Daten auf einen Blick.

Seiltyp Einsatzbereich Durchmesser in mm Gewicht g/m Anzahl Normstürze Vorstieg Nachstieg
Einfachseil Hallenklettern, Sportklettern, bedingt alpines Sportklettern 8,5-10,5 48-69 5 Einfach-
strang
Einfach-
strang
Halbseil Trad-Climbing, Alpinklettern, Dreierseilschaft, Eisklettern, Gletschertouren 7,8-8,5 38-48 5 Doppel-
strang
Einfach-
strang
Zwillingsseil Alpinklettern, Eisklettern 6,9-7,8 35-42 12 Doppel-
strang
Doppel-
strang
Dreifach zertifizierte Seile High-End-Sportklettern, Alpinklettern in oberen Schwierigkeitsgraden 8,7-8,9 51-52 5/5/12 Einfach- u. Doppel-
strang
Einfach- u. Doppel-
strang

Zu den Kletterseilen bei Bergzeit:

Kletterseile im Test:

Video-Anleitungen: Kletterseil aufwickeln und auspacken

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